Rebellion. Reformation. Revolution – das Geschichtslabor

Durch das ungewöhnliche Format „Geschichtslabor“ im Stadtmuseum wird dem Besucher eine besondere Erkenntnismöglichkeit geschaffen.

Blick in das Geschichtslabor
Foto: © Stadtverwaltung Erfurt / D. Urban

Der Besucher kann sich aktiv mit den Inhalten und Ereignissen der Reformation sowie deren Wirken bis in unseren gegenwärtigen Alltag auseinandersetzen, bekommt Denkanstöße und Diskussionsanregungen.

Konkrete stadthistorische Bedingungen seit dem 15. Jahrhundert und Ereignisse der Reformation werden aufgezeigt und der Besucher aufgefordert sich mit den Fragestellungen auseinanderzusetzen: Ist die Reformation eine abgeschlossene Geschichtsepisode oder wirkt die Reformation bis heute fort? Wie stehe ich dazu?

In fünf Ausstellungsabschnitten werden reformatorische Forderungen und Visionen in unsere Tage geholt und zur Diskussion gestellt.

Fünf Ausstellungsabschnitte

Mehrere Besucherinnen mit Megafon in der Ausstellung
Foto: Dauerausstellung Geschichtslabor: Kanzel Foto: © Stadtverwaltung Erfurt / D. Urban

Tolle Jahre?

Im ersten Raum „Tolle Jahre?“ erleben die Besucherinnen und Besucher an vier Stationen die Reformation in Erfurt und ihre Protagonisten unmittelbar; gerahmt von raumgreifenden Installationen der Vergegenwärtigung des Themas.

Man kann in die Sprache der Zeit eintauchen, sich vielleicht sogar einmal als Sprecher an einer modernen „Flüstertüte“ versuchen und zur Rebellion aufrufen.

Besucherin vor Zepter und Robe des Universitätsrektors
Foto: Die Insignien der Erfurter Universität Foto: © Stadtverwaltung Erfurt / D. Urban

Freie Künste?

Unmittelbar anschließend eröffnen die prachtvollen Insignien der Universität Erfurt das Thema „Freie Künste?“. Der von Reformation und Humanismus begleitete Aufbruch in die Neuzeit wird von großen Entdeckungen und technischen Neuerungen charakterisiert. Das wirft die Frage nach der moralischen Verantwortung von Wissenschaft auf.

Besucherinnen vor Vitrinen zu einzelnen Geboten
Foto: Eine moderne Interpretation der Zehn Gebote Foto: © Stadtverwaltung Erfurt / D. Urban

Am Anfang war das Wort?

Der Bereich „Am Anfang war das Wort?“ thematisiert die Entwicklung der modernen Medien. Heute ist ein Leben ohne elektronische Medien kaum mehr vorstellbar. Sie bieten unzählige Möglichkeiten der Informationsbeschaffung, der Kommunikation bis hin zum Eintauchen in spielerische Fantasiewelten. Können sie trotzdem noch gesellschaftliche Wandlungsprozesse beschleunigen?

Macht und Liebe?

Der Abschnitt „Macht und Liebe?“ stellt die Bedeutung der Konfessionen nach der verfassungsrechtlichen Trennung von Staat und Kirche in scheinbar säkularisierten Bereichen der Gesellschaft zur Diskussion. Wie hat die Reformation dieses Verhältnis gewandelt? Welche heutigen Grundhaltungen hat die Luthersche Obrigkeitslehre befördert und wie ist der gesellschaftliche Umgang mit ihnen?

Besucherinnen vor Videobildschirm, auf dem Handpuppen zu sehen sind
Foto: Ein Spottgespräch Till Eulenspiegels zum Nachhören Foto: © Stadtverwaltung Erfurt / D. Urban

Ich und das Andere?

Zum Abschluss widmet sich ein Raum der Fragestellung „Ich und das Andere?“. Luther beschimpfte ganz als Zeitgenosse Pfaffen, Türken, Sektierer, Hexen und Juden. Die Ablehnung von Fremden und Zuwanderern hatte schon immer viele Gesichter, von Vorurteilen bis fremdenfeindlich motivierten Gewalttaten.

Mit Scharfsinn und Witz gibt es zudem eine unterhaltsame Kommentarebene zur Ausstellung. Till Eulenspiegel als Sinnbild des Spotts spricht in vier Kurzfilmen mit historischen Persönlichkeiten: dem Obervierherrn Heinrich Kellner, dem Gelehrten, Büchersammler und Rektor Amplonius Rating de Berka, dem Reformator und Freund Luthers, Johannes Lang und einem Wucherer.

Stadtmodell

Stadtmodell Erfurts zentral mit Glasumhausung
Foto: © Stadtverwaltung Erfurt / D. Urban

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts fertigte der engagierte Heimatforscher Robert Huth (1872-1932) das 3 x 3m große Stadtmodell von Erfurt.

Es zeigt Erfurt kurz vor der Beseitigung fast aller Befestigungsanlagen nach der Reichseinigung von 1871.

Aufgrund seiner Anschaulichkeit und Detailvielfalt ist es für alle Besucher ein besonders beeindruckendes und informatives Exponat und dient als perfekter Startpunkt jeder Stadtbesichtigung.