Raum Einführung

1.1. Hochrad der Firma Homber & Co.

Foto: Hochrad der Firma Homber & Co. Foto: © Dirk Urban

Jahr: Um 1880
Leihgeber: Stadtmuseum Erfurt

Das Hochrad der Firma Homberg & Co. aus Beeston bei Nottingham gehörte einst dem Kakteengärtner Friedrich Ferdinand Haage (1859–1930). Der Spross einer traditionsreichen Erfurter Gartenbaufamilie genoss als junger Mann eine Ausbildung in London. Von dort brachte er das neue Fahrzeug mit nach Erfurt. Es war in London Haages bevorzugtes Verkehrsmittel gewesen. Zurück in Erfurt bildete sein Vehikel eine Sensation und den Beginn des Fahrrad-Zeitalters. Wenig später brach auch an der Gera das Radrennfieber aus. Friedrich Ferdinand Haage stieg dabei zu einem der frühen Spitzensportler auf. Er gewann zahlreiche Rennen, wurde mehrfach Weltmeister und stellte 1886 auf dem Hochrad einen Weltrekord auf. Einige seiner Trophäen befinden sich noch heute im Archiv der Firma Kakteen-Haage.

1.2. Schützensilber Silberblech und Kranz

Jahr: 1715 und 1814
Leihgeber: BSC Erfurt

Das Schützenschild von 1715, in Silberblech ausgeführt, ist das älteste bis heute erhaltene Stück aus dem umfangreichen Silberschatz des Erfurter Bürgerschützencorps. Im Bild ist der Patron der Soldaten und Schützenbruderschaften zu sehen, der Heilige Sebastian. Angefertigt wurde es, um den Schützenkönig des Jahres, J. G. Locke, zu ehren.

Adolf Piper, 1814

„Der Hochlöblichen Schützenkompagnie gewidmet, Bürger-Schützen-Corps Erfurt“

13 Jahre zuvor wurde eine ähnliche Schützenkrone, die heute im Angermuseum aufbewahrt wird, dem kurmainzischen Statthalters Karl Theodor von Dalberg (1744 – 1817), verehrt. Sie besitzt eine Meistermarke von Goldschmied Carl Leopold Kopp (Meister 1670) und eine Erfurter Beschaumarke.

1.3. Standarmbrust mit Sehne

Foto: Standarmbrust mit Sehne Foto: © Dirk Urban

Jahr: Ende 16. Jh.
Leihgeber: Stadtmuseum Erfurt

Der eiserne Bügel der Armbrust, der nur über eine Winde zu spannen war, lässt aufgrund der Untersuchung des Stahls von Prof. Bernhard Mai/Erfurt eine zeitliche Einordnung für das Ende des 16. Jahrhunderts zu. Die metallurgische Analyse zeigt die klassische Zusammensetzung von Altstählen vor der Koks-Verwendung. Die Manganzugabe (0,06%) ist eher lagerstättenbedingt, nicht absichtlich hinzulegiert. Schwefel, Silizium und Phosphor in dieser Menge auf der Oberfläche lassen auf verschiedene, deutlich spätere Reinigungen und Patinierungen sowie „DDR Luft“ schließen, sind also höchstwahrscheinlich schon museumsbedingt aus den 1960er bis -80er Jahren.

Neben den „Musketierern“ und „Flintenierern“ bildeten Ende des 15. Jahrhunderts die „Arkebusierer“ ein Zehntel bis ein Drittel des Fußvolkes in den französischen, spanischen und deutschen Heeren und verdrängten so allmählich die Armbrust als Kriegsgerät bis zum Ende des 16. Jahrhunderts. 

Die in dieser Zeit in den Stadtgesellschaften immer populärer werdenden Schützenvereine und -verbände schätzten die traditionelle und präzise Waffe jedoch immer noch. Es spricht vieles dafür, dass die vorliegende Armbrust aus solchen Beständen stammt, ist sie zum einen in ihrem Zierrat deutlich sachlicher gehalten als die Armbrüste adeliger Jagdgesellschaften, ohne jedoch schmucklos zu wirken. Zweitens verfügt sie über einen bei der Restaurierung zutage getretenen feinmechanisch hochpräzise gestalteten Abzugsmechanismus, der aufgrund seines sehr geringen Abzugsgewichtes bei einer Treib- oder Drückjagd eher hinderlich gewesen wäre, hingegen für das genaue sportliche Schießen in Ruhe ideal ist.

Vor diesem Hintergrund könnte es sich bei dieser ca. 450 Jahre alten Armbrust um das erste historisch überlieferte Sportgerät Erfurts handeln.

1.4. Eichenlaub-Siegerkranz mit Siegerschleife

Foto: Eichenlaub-Siegerkranz mit Siegerschleife Foto: © Dirk Urban

Jahr: 1931
Leihgeber: Stadtgeschichtliches Museum Leipzig/Sportmuseum

Der Eichenlaub-Siegerkranz besteht aus Eichenblättern, die aus Wachspapier gestaltet wurden. Auf dem rot und weiß gestalteten Scheidenschleifenband ist die Aufschrift Mitteldeutsche Volksturnmeisterschaft / Erfurt 1931 sowie das Felsingsche Turnerkreuz zu sehen.

Gestaltet wurde diese Bildmarke im Jahr 1844 vom Kupferstecher Johann Heinrich Felsing aus Darmstadt. Dementsprechend wurde es in den hessischen Landesfarben in Rot auf weißem Grund gestaltet. Gestaltet wie ein achsengleiches, griechisches Kreuz, ist es heute quadratisch und besteht wie damals aus vier Fs. Sie stehen symbolisch für den Turnerwahlspruch „Frisch, fromm, fröhlich, frei“ des sogenannten Turnvaters Jahn.

Nach anfänglicher Kritik am Turnerkreuz als Turnerzeichen entwickelte es sich schnell zum Symbol der deutschen Turnerbewegung, vor allem im Rahmen ihres politischen Strebens nach Einheit, Freiheit und nationaler Unabhängigkeit. Abgesehen vom Nationalsozialismus, während dem das Turnerkreuz durch ein Hakenkreuz ersetzt wurde, ist es bis heute das Logo der deutschen Turner und damit bis heute auf Kleidung, Turnhallen- und Schulfassaden und Medaillen präsent.

1.7. Fahne des Turnvereins Ilversgehofen

Jahr: 1885
Leihgeber: Stadtmuseum Erfurt

Der Turnverein Ilversgehofen, heute SSV Erfurt Nord, ist einer der ältesten Sportvereine Erfurts, gegründet 1882. Die Fahre des Turnvereins von 1885 erinnert an seine lange Geschichte, beginnend mit der Idee das Turnen „im Geiste des Turnvaters Jahn“ zu pflegen. Seit 1905 wurde im Verein auch Leichtathletik angeboten, 1922 kam Handball als Sportart hinzu. Im Laufe der Zeit kamen die Feuerwehr und weitere Sportarten, z.B. Fußball hinzu.

Nach 1945 änderte sich der Name des Vereins regelmäßig, verschiedene Sportarten verließen den Verein als Ausgründungen. Die Handball-Damen des THC Erfurt – Bad Langensalza, die heute äußerst erfolgreich in der 1. Liga spielen, haben ihre Wurzeln im TV Ilversgehofen. Heute hat der SSV Erfurt Nord über 600 Mitglieder und bietet heute neun Sportabteilungen auf.