Raum Radfahren

6.1. Zeitfahranzug von Maik Landsmann, Nationalmannschaft der DDR, Olympische Spiele Seoul

Jahr: 1988
Leihgeber: Maik Landsmann

Dieser Zeitfahranzug gehörte zur Ausrüstung von Maik Landsmann bei den Olympischen Spielen 1988 in Seoul. Landsmann startete für den SC Turbine Erfurt und gewann dort mit der Nationalmannschaft der DDR im 100-Kilometer-Mannschaftszeitfahren die Goldmedaille (unter anderem mit seinem Erfurter Mannschaftskollegen Mario Kummer). Das Exponat steht damit zugleich für einen olympischen Erfolg des Erfurter Radsports und für die internationale Leistungsfähigkeit des SC Turbine Erfurt in den 1980er Jahren.

Der graue Anzug mit schwarzer Hose besteht aus Lycra, einem eng anliegenden, elastischen Material, das den Luftwiderstand verringern und die Bewegungsfreiheit verbessern sollte. Anders als Anzüge für den Bahnradsport war Straßenbekleidung für Zeitfahren nicht nur auf Aerodynamik, sondern auch auf längere Belastung und wechselnde Außenbedingungen ausgelegt.

6.3. Standarte des Velociped-Club Erfurt, gegründet 1885

Jahr: 19. Jh.
Leihgeber: Stadtmuseum Erfurt

Diese Standarte des Velociped-Club Erfurt verweist auf die frühen Anfänge des organisierten Radsports in der Stadt. Der Verein wurde am 2. November 1885 gegründet und gehört damit zu den frühen Erfurter Radfahrervereinen des 19. Jahrhunderts.

Der Begriff „Velociped“ verweist auf die ältere Bezeichnung für Fahrräder im 19. Jahrhundert und macht deutlich, dass der Club noch aus der Pionierzeit des Radsports stammt. Solche frühen Velociped- und Radfahrervereine waren meist nicht nur Sportvereine im heutigen Sinn. Sie verbanden Ausfahrten, Geselligkeit, öffentliche Auftritte, Fahnen- und Standartenkultur sowie Wettfahrten miteinander.

6.5. Pokal-Becher des Deutschen Radfahrerbunds „20 km Seniorenrennen 1. Preis 1923“ mit Ansicht Erfurter Dom und Severikirche

Jahr: 1923
Leihgeber: Stadtmuseum Erfurt

Pokal-Becher des Deutschen Radfahrer-Bunds für den 1. Preis im „20-km-Seniorenrennen“ von 1923. Der Deutsche Radfahrer-Bund, 1884 gegründet, gehörte zu den wichtigsten Organisationen des deutschen Radsports und regelte Wettkämpfe, Vereine und Verbandsstrukturen. Der auf dem Becher genannte R.C. Falke Erfurt war ein Erfurter Radfahrer-Club, der seit den 1890er Jahren im organisierten Radsport nachweisbar ist. Das Exponat verweist damit auf die Einbindung Erfurter Vereine in den überregionalen Wettkampfbetrieb der Weimarer Republik.

6.6. Dreieinhalb Eintrittskarten für die Radrennbahn Erfurt – Andreasried für Sonntag 10.09.1944

Foto: Dreieinhalb Eintrittskarten für die Radrennbahn Erfurt – Andreasried für Sonntag 10.09.1944 Foto: © Dirk Urban

Jahr: 1944
Leihgabe: Stadtmuseum Erfurt

Die Rennen auf der Radrennbahn Andreasried im Norden der Stadt waren einst noch populärer als die Spiele der Erfurter Fußballer. Bis zu 13.000 Zuschauer sorgten für große Stimmung. Die Wettkämpfe fanden zudem auf wahrhaft historischem Boden statt. Die älteste noch in Betrieb befindliche Radrennbahn Deutschlands war bereits 1884 eröffnet worden. Besonders die Steherrennen zogen und ziehen bis heute die Massen an. Es konkurrieren auf der schiefen Ebene des Betonovals mehrere Duos aus einem Radfahrer, dem Steher, im Windschatten eines Motorradfahrers, des Schrittmachers. Das Motorrad hat hinten eine Rolle, zu der der Radfahrer Kontakt halten muss. Beide müssen gut aufeinander abgestimmt sein, damit der Steher nicht „von der Rolle gerät“ oder aber das laut knatternde Motorrad zu langsam fährt. Die spannenden Rennen werden oft erst in der letzten Runde entschieden.

6.8. Mitgliedsabzeichen des Arbeiter-Radfahrer-Bundes „Solidarität“

Foto: Mitgliedsabzeichen des Arbeiter-Radfahrer-Bundes „Solidarität“ Foto: © Dirk Urban

Jahr: Um 1910
Leihgeber: Stadtmuseum Erfurt

Das Mitgliedsabzeichen des Arbeiter-Radfahrer-Bundes „Solidarität“ verweist auf eine der wichtigsten Sportorganisationen der Arbeiterbewegung im Deutschen Kaiserreich und in der Weimarer Republik. Der Bund wurde 1896 in Offenbach am Main gegründet und verstand sich nicht nur als Radsportverband, sondern auch als Teil der sozialistischen Arbeiterkultur und Solidaritätsbewegung. Später entwickelte er sich zu einem der größten Arbeitersportverbände überhaupt. Sehr wahrscheinlich war der Arbeiter-Radfahrer-Bund „Solidarität“ auch in Erfurt organisatorisch vertreten. Darauf verweist unter anderem der Bundestag des Verbandes, der 1904 in Erfurt stattfand.

6.9. Postkarte: Steherrennen Radrennbahn Andreasried mit Hans Lange und seinem Schrittmacher

Foto: Steherrennen Radrennbahn Andreasried mit Hans Lange und seinem Schrittmacher Foto: © Stadtmuseum Erfurt

Jahr: ca. 1930
Leihgeber: Stadtmuseum Erfurt

Video: Jörg Werner spricht über seine Arbeit auf der Radrennbahn im Andreasried © Stadtmuseum Erfurt/Jörg Werner

6.10. Foto: Weltklassesportler des SC Turbine Erfurt, Detlef Macha

Foto: Autogrammbild des Weltklassesportler des SC Turbine, Detlef Macha Foto: © Dirk Urban

Jahr: 1983
Leihgeber: Christine Laser

Detlef Macha gehörte zu den erfolgreichsten Radsportlern des SC Turbine Erfurt. Der Bahn- und Straßenfahrer wurde 1972 nach Erfurt delegiert und startete bis 1985 für den Verein, anschließend arbeitete er dort als Trainer. Seine größten Erfolge erzielte er auf der Bahn: 1978, 1981 und 1982 wurde er Weltmeister in der 4000-Meter-Einerverfolgung, 1981 zudem Weltmeister in der Mannschaftsverfolgung.

Auch auf der Straße war Macha international erfolgreich. Er gewann unter anderem 1981 und 1984 die Campania-Rundfahrt, 1982 den Csepel-Cup und mehrfach Etappen der Thüringen-Rundfahrt. Das Exponat erinnert an einen Radsportler, der den SC Turbine Erfurt in den 1970er und 1980er Jahren national und international prägte.

6.16. Bahn-Rennrad

zurück Bild 1 / 1weiter
  • Im Vordergrund ein blaues modernes Rennrad und im Hintergrund ein schwarzes Bahnrennrad ohne Bremsen und Schaltung.

    Modernes Rennrad und Bahn-Rennrad

    © Dirk Urban
zurück Bild 1 / 1weiter

Jahr: 2000er
Leihgeber: Jörg Werner

Ein Bahnrad (auch Bahnmaschine) ist ein Rennrad für Bahnrennen. Es besitzt weder Bremsen noch eine Schaltung oder Freilauf und weist eine andere Rahmengeometrie als Straßenrennräder auf.

Bahnräder sind grundsätzlich nach den gleichen Bauprinzipien konstruiert, die auch bei Rennrädern für den Straßenradrennsport Anwendung finden, doch einige davon sind stärker hervorgehoben: Im Mittelpunkt steht dabei die Wendigkeit des Fahrers auf dem Rad – d. h. das Rad soll so unmittelbar wie möglich auf Lenkmanöver des Fahrers reagieren.

Radstand: während bereits Straßenrennräder einen gegenüber gewöhnlichen Gebrauchsrädern verkürzten Radstand von 95 bis 100 cm aufweisen, liegt dieser bei Bahnrädern gewöhnlich unter 95 cm;

Um bei der hohen Geschwindigkeit und den engen Verhältnissen auf der Bahn die Gefahr von Stürzen zu verringern, haben Bahnräder weder Freilauf noch Bremse, der sog. starre Gang ist vorgeschrieben, weshalb sie auch keine Schaltung besitzen. Der starre Gang bewirkt, dass beim Fahren permanent mitgetreten werden muss. Um nicht auf einen anderen Fahrer aufzufahren, weicht man aus – vor allem nach rechts, weil durch die Bahnüberhöhung dann sofort die Geschwindigkeit verringert wird. Im Notfall kann die Geschwindigkeit auch durch „Kontern“, d. h. Gegenhalten mit Muskelkraft gegen das sich drehende Pedal, verringert werden. Da die Straßenverkehrszulassungsordnung u. a. mindestens zwei Bremsen vorschreibt (StVZO § 65 Absatz 1), ist die Verwendung von Bahnrädern ohne Bremsen im öffentlichen Straßenverkehr in Deutschland nicht erlaubt.

 

Modernes Rennrad (von Maik Landsmann)

Heutige Rennräder wiegen meist zwischen 7 und 9 kg. Laut UCI-Reglement ist aber bei Wettbewerbsrädern ein Mindestgewicht von 6,8 kg zu beachten. Das leichteste je in einem UCI-Rennen eingesetzte Rennrad war die Zeitfahrmaschine von Eddy Merckx, mit der er 1972 einen Stundenweltrekord aufstellte.

Die heute üblichen Rennräder haben schmale Felgen und Reifen, einen Rennlenker, den sogenannten Bügellenker oder Hornlenker, der verschiedene Griffpositionen erlaubt und schmaler ist als sonst übliche Lenker (im UCI-Reglement sind max. 50 cm zulässig, es werden jedoch selten breitere als 44 cm verwendet). Die Breite des Lenkerbügels (gemessen von Rohrmitte zu Rohrmitte, meist an den Rohrenden, manchmal an der vordersten Stelle der Vorbiegung; selten ist auch die Lenkergesamtbreite von Außenkante zu Außenkante angegeben) richtet sich nach der Schulterbreite des Fahrers (gemessen von Außenseite zu Außenseite der Schulterknochen) und sollte dieser grob entsprechen.