Paul Schäfer: Erfurter Kommunist, ermordet im Stalinismus

30.01.2020 09:05

Vor einem Jahr zeigte der Erinnerungsort Topf & Söhne die Sonderausstellung „Die zwei Tode des Paul Schäfer. Legende und Lebensgeschichte eines Erfurter Kommunisten“, die auf mehrjährigen eigenen Forschungen basierte. Mit historischen Quellen aus dem Familienarchiv, dem Bundesarchiv und Moskauer Archiven, die erst nach 1990 zugänglich wurden, ermöglichte die Ausstellung eine kritische Auseinandersetzung mit einem Kapitel der jüngeren Stadtgeschichte.

Buchvorstellung mit Annegret Schüle, Stefan Weise und Thomas Schäfer

Schwarzweißfoto von Paul Schäfer
Foto: Das Leben des Erfurter Schuharbeiters Paul Schäfer zeugt von Kampfbereitschaft, Solidarität und Selbstorganisation, aber auch von politischem Dogmatismus und Kritiklosigkeit gegenüber der Sowjetunion Foto: © Stadtverwaltung Erfurt / Stadtarchiv

Nun liegen die neuen und mit vielen Quellen belegten Forschungsergebnisse in dem von der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen herausgegebenen Buch „Paul Schäfer. Erfurter Kommunist, ermordet im Stalinismus“ vor, welches das Autorenteam am 5. Februar um 19 Uhr im Erinnerungsort Topf & Söhne vorstellt. Erarbeitet wurde die Veröffentlichung von PD Dr. Annegret Schüle, Oberkuratorin für neuere und neueste Geschichte der Erfurter Geschichtsmuseen, Stefan Weise, Promovend an der Universität Jena, und Thomas Schäfer, Urenkel von Paul Schäfer und Referendar für Geschichte an einer Arnstädter Regelschule.

Das Leben des Erfurter Schuharbeiters Paul Schäfer zeugt von Kampfbereitschaft, Solidarität und Selbstorganisation, aber auch von politischem Dogmatismus und Kritiklosigkeit gegenüber der Sowjetunion. Als kommunistischer Funktionär hatte er Aufstiegschancen, die Menschen seiner sozialen Herkunft sonst verschlossen blieben. Seine Hinrichtung in der Sowjetunion 1938 markiert die Tragik seines Lebens: Er wurde Opfer in dem Land, in das er vor den Nazis geflohen war und das er als seine politische Heimat empfand. Die Legende, die ihn 1945 zu einem Märtyrer des Kampfes gegen Franco im Spanischen Bürgerkrieg machte, war der Versuch eines alten Freundes, der in Erfurt zurückgebliebenen Witwe zu helfen. Für jene, die in der DDR vom Tod Paul Schäfers in Moskau wussten, war es eine Lüge, der zu widersprechen sie nicht wagten, die sie mittrugen oder selbst aktiv am Leben hielten. Der Abend wird moderiert von Dr. Jochen Voit, Leiter der Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße.