Gekommen um zu bleiben? Die zweite jüdische Gemeinde in Erfurt 1354 – 1454

29.11.2017 10:00 – 08.04.2018 18:00

Fünf Jahre nach dem Pogrom von 1349 bildete sich in Erfurt eine neue jüdische Gemeinde, die gut 100 Jahre das Leben der Stadt mit prägen sollte. Die Ausstellung erzählt ihre wechselvolle Geschichte und gibt Einblicke in das Leben der Menschen.

Poster im Hochformat: links Text mit Ausstellunginfos, rechts mehrere historische Bildmotive
Grafik: © Albrecht von Kirchbach
08.04.2018 18:00

Gekommen um zu bleiben? Die zweite jüdische Gemeinde in Erfurt 1354 – 1454

Genre Ausstellung
Veranstalter Netzwerk „Jüdisches Leben Erfurt“
Veranstaltungsort Alte Synagoge, Waagegasse 8, 99084 Erfurt

Weitere Informationen

Informationen und Blick in die Ausstellung

Video: Blick in die Ausstellung „Gekommen um zu bleiben“ in der Alten Synagoge © Stadtverwaltung Erfurt

Im Jahr 1354, nur fünf Jahre nach dem Pogrom von 1349, durch das höchstwahrscheinlich alle Mitglieder der ersten jüdischen Gemeinde ums Leben kamen, entstand in Erfurt eine neue jüdische Gemeinde. Jüdische Familien zogen sowohl aus Thüringen, als auch aus Schlesien, Böhmen und Mähren zu, was der Stadtrat durch den Bau von Wohnhäusern und einer Synagoge förderte. Rasch wuchs die jüdische Gemeinde in Erfurt zu einer der größten im deutschsprachigen Raum an und war Sitz etlicher wohlhabender Geldhändler und Gelehrter.

Erfurt bot offensichtlich gute Lebensbedingungen, denn immer wieder kamen neue jüdische Familien in die Stadt. Allerdings schwächten ab den 1430er Jahren wirtschaftliche Krisen in Thüringen und mehrfach vom Kaiser verlangte Sondersteuern zunehmend die Wirtschaftskraft der Juden. Im Frühjahr 1453 erklärte der Erfurter Rat, dass er die Juden nicht weiter schützen könne und wolle und binnen eines Jahres verließen die letzten jüdischen Familien die Stadt.

Für fast 400 weitere Jahre lebten keine Juden mehr in Erfurt, nachdem sie gut 100 Jahre das geistige, kulturelle und soziale Leben bedeutend bereichert hatten. Zahlreiche Dokumente geben Auskunft über die Wohnverhältnisse der Juden, über ihre wirtschaftlichen Tätigkeiten, ihre Gemeindestruktur, aber auch zu Steuerverpflichtungen und über die rechtliche Situation.

Die Sonderausstellung bringt die einhundertjährige reichhaltige, bisher kaum erforschte Geschichte der zweiten Erfurter jüdischen Gemeinde von 1354 bis 1454 wieder ins Bewusstsein. Sie begleitet die Entwicklung der Gemeinde von der Neuansiedlung unter höchst unsicheren Vorzeichen über den Aufbau einer prosperierenden Gemeinschaft bis hin zur Abwanderung mit ungewissen Perspektiven nach dem Verlust des städtischen Schutzes.

Die Ausstellung wird gefördert von der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen und der Sparkasse Mittelthüringen.

Eintritt: im Eintritt für das Museum inbegriffen (8 €, ermäßigt 5 €)

Veranstaltungen

Es sind keine Einträge vorhanden.

Begleitprogramm

Ort: Alte Synagoge Erfurt
Eintritt frei

14. Dezember 2017 19.30 Uhr
Vortrag „Erfurter jüdische Familien zwischen 1354 und 1454“
Dr. Maike Lämmerhirt, Mannheim

4. März 2018 16.30 Uhr
Kuratorenführung durch die Sonderausstellung mit Hardy Eidam

22. März 2018 19.30 Uhr
Vortrag „Hebräische Notizen und Rückvermerke an Urkunden aus Erfurt und anderen Städten des mittelalterlichen Reichsgebietes.“
Andreas Lehnertz, Arye Maimon-Institut für Geschichte der Juden, Universität Trier

8. April 2018 15.00 Uhr
Podiumsdiskussion „Gekommen um zu bleiben?“ – Die jüdische Gemeinde als Handlungsfeld politischer Mächte.
Dr. Anselm Hartinger und Hardy Eidam diskutieren mit Wissenschaftlern und Vertretern der Bürgerschaft