Das vergessene Parlament. 175 Jahre Erfurter Unionsparlament 1850
Vor 175 Jahren fand im Erfurter Augustinerkloster unter großem Medieninteresse ein Parlament statt, das die Machtstruktur in Europa maßgeblich verändert hätte. Das Erfurter Unionsparlament 1850 sollte nach der gescheiterten Revolution 1848/49 die Verfassung für einen deutschen Nationalstaat unter Führung Preußens ausarbeiten. Liberale und König Friedrich Wilhelm IV. hatten sich auf diesen Kompromiss geeinigt. Da das Projekt jedoch scheiterte, fiel das Parlament rasch dem Vergessen anheim.
Das Stadtmuseum „Haus zum Stockfisch“, selbst authentischer Schauplatz, widmet dem Ereignis zum Jubiläum eine tiefgründige Sonderausstellung. Eingebettet in die Schau zur Entfestigung Erfurts im 19. Jahrhundert, wirft sie Schlaglichter auf jenen wichtigen Meilenstein der Demokratiegeschichte und des deutschen Einigungsprozesses. Die Abgeordneten, darunter der junge Otto von Bismarck, verabschiedeten nach brillanten Debatten ein modernes Verfassungswerk. Demokraten, Liberale und Konservative konstituierten sich als die politischen Hauptströmungen.
Alles Wissenswerte im Begleitmagazin
Eine 45-seitige Publikation von Dr. Steffen Raßloff gibt einen populärwissenschaftlichen, reich bebilderten Überblick von der Vorgeschichte bis zur Erinnerungskultur. Das Heft ist für 5€ im Stadtmuseum erhältlich.
Geschichten hinter der Geschichte
Als eindrucksvolle Symbole der frühen Demokratiegeschichte, von denen nur ganz wenige erhalten sind, ziehen die Wahlurne von 1850 und die schwarz-rot-goldene Schärpe des Erfurter Demokraten Hermann Alexander Berlepsch die Blicke auf sich.
Doch wie gelangten die besonderen Ausstellungsstücke eigentlich ins Museum und warum gehören sie genau hierhin? Oberkurator Hardy Eidam und Historiker und Gastkurator Dr. Steffen Raßloff erzählen die ganze Geschichte und liefern konkrete Fakten und Antworten zu den Exponaten.


