Besucherrekorde, Fortschritte bei langfristigen Kulturbauprojekten und neue Orte und Formen für Kultur
Besucherrekorde bei Festen und Ausstellungen
Insgesamt 2,6 Millionen Menschen besuchten 2025 die kulturellen Veranstaltungen der Stadt Erfurt. Ein Höhepunkt des Erfurter Kulturjahres war das Programm rund um das Jubiläum „700 Jahre steinerne Krämerbrücke“ mit großer Jubiläumsbühne, Live-Podcast und farbiger Brücken-Illumination. Darüber hinaus verzeichneten fast alle großen Stadtfeste für 2025 gestiegene Besucherzahlen: Der Altstadtfrühling zählte 335.000 (2024: 291.000) Besucher, das Krämerbrückenfest 150.000 (2024: 120.000) Besucher und der Weihnachtsmarkt 1,4 Millionen Besucher (2024: 1,2 Millionen). Während bestehende Veranstaltungsformate fortgeführt wurden, setzte die Kulturdirektion auch auf programmatische Innovationen wie ein diverses und genreübergreifendes Line-Up und die verstärkte Zusammenarbeit mit regionalen Künstlerinnen und Künstlern. Auch für den Einsatz der SafeNow-App beim Oktoberfest, mit der Erfurt als erste Kommune Deutschlands bei einem Großevent auf eine digitale Sicherheitsapp setzte, und für die Einführung der Stillen Stunde auf dem Weihnachtsmarkt bekam die Stadtverwaltung viel positives Feedback.
Auch die städtischen Museen und Ausstellungen verzeichnen mit einer Gesamtbesucherzahl von ca. 274.000 (2024: 246.000) ein deutlich gestiegenes Interesse. Insbesondere in den Kunstmuseen erzielten Ausstellungen wie Nerly, Feininger, Heisig und The Cute Escape eine große Reichweite. Das Angermuseum, das 2025 auch eine neue Sammlungspräsentation eröffnete, erreichte knapp 42.000 Besucher und damit fast doppelt so viele wie im Vorjahr (22.000). Auch das Naturkundemuseum (52.000) und Schloss Molsdorf (11.000) freuten sich über mehr Besucher als im Jahr davor. Besonders nachgefragt waren 2025 zudem die Angebote in den Künstlerwerkstätten: Hier konnten die Nutzer innerhalb eines Jahres auf fast 3500 verdoppelt werden.
Sammlungszentrum und Naturkundemuseum im Zeitplan
Für mehrere langfristige Kulturbauprojekte liegen neue Untersuchungen vor, die 2026 die Grundlage für wegweisende Entscheidungen im Erfurter Stadtrat bilden werden.
Für das dringend benötigte neue Sammlungszentrum der Erfurter Museen, in dem perspektivisch neben Depotflächen auch die Zentralen Restaurierungswerkstätten untergebracht werden sollen, sind 2025 vier Standorte auf ihre Eignung untersucht worden. Im Vorfeld hatte die die Kulturdirektion verfügbare Immobilien und Freiflächen analysiert. Der folgende Standortvergleicht erfolgte in der Auftragsvergabe an einen Depotfachplaner (Büro baur, München). Als Standort für das künftige zentrale Sammlungszentrum wurden das bereits als Depot genutzten Gebäude in der Salinenstraße, ein Grundstück im Bahnhallenquartier sowie zwei unbebaute Grundstücke in der Haarbergstraße und am Wasserturm untersucht. Als Grundbedarf hat der Fachplaner eine Bruttogeschossfläche von 10.000 m2 ermittelt. Die Grundstückanalyse betrachtet verfügbare Bauflächen, Sicherheit, Statik, Anforderungen des Denkmalschutzes und konservatorische Anforderungen wie z. B. das Klimaverhalten von Bestandsgebäuden. Eine weitere Anforderung war die Nachhaltung von Flächenanteilen für ggf. erforderliche bauliche Erweiterungen zu einem späteren Zeitpunkt. Die Ergebnisse werden dem Stadtrat nun als Grundlage für eine Entscheidung über einen Standort vorgelegt.
Das neue Sammlungszentrum soll die prekären Lagerungssituationen von Beständen der Erfurter Museen beheben und Platz schaffen für die in den letzten Jahrzehnten deutlich gestiegenen Sammlungsbestände der Erfurter Kunstmuseen, des Volkskunde- und Stadtmuseums sowie des Naturkundemuseums.
Auch für kommende Stadtratsentscheidungen zur Zukunft des Erfurter Naturkundemuseums sind wichtige Grundlagenarbeiten abgeschlossen worden. In einer fristgerecht zum Ende des Jahres 2025 vorgelegten Studie hat ein beauftragtes Architekturbüro (Hoskins Architects, Berlin) ermittelt, welche konkreten Bedarfe des Museums in der weiteren Bauplanung zu berücksichtigen sind. Sie hat Bedarfe für Ausstellungsflächen, Werkstatt- und Bürobereiche, Räume der kulturellen Vermittlungen und für Veranstaltungen, außerdem für Empfangsbereiche, barrierefreie Besucherführungen und Sanitäranlagen ermittelt. Anforderung des Denkmal- und Brandschutzes wurden betrachtet. Ziel der Kulturdirektion ist, die Anzahl der Besucher des Naturkundemuseums von derzeit ca. 50.000 auf perspektivisch 100.000 pro Jahr zu steigern. Gemeinsam mit einer noch folgenden Standortvergleichsuntersuchung, welche neben dem aktuellen Standort auch noch zwei weitere Optionen auf ihre Eignung untersucht, bildet die vorliegende Bedarfsanalyse die Grundlage für eine Entscheidung im Stadtrat und einen anschließenden Architekturwettbewerb.
Das beliebte Naturkundemuseum ist in einem denkmalgeschützten Gebäude der Erfurter Innenstadt untergebracht und stößt seit Jahren raumtechnisch an seine Grenzen.
Partizipative Ausstellungsformate, Sportgeschichte und Frauen im Blickpunkt
Die städtischen Ausstellungsräume auf dem Petersberg sind für 2026 bereits größtenteils ausgebucht. Wie im Stadtrat beschlossen, findet in den von der Stadt gemieteten Räumlichkeiten im Ostflügel der Defensionskaserne bis Ende 2027 eine zweijährige Pilotphase statt. In dieser Zeit gibt die Kulturdirektion dort einer Vielfalt von Formaten Raum zum Ausprobieren und evaluiert anschließend die gesammelten Erfahrungen. Zahlreiche Anfragen zur Nutzung der Räume sind in den vergangenen Monaten eingegangen. Bereits in Planung sind unter anderem Ausstellungen kleinerer Initiativen aus der Kreativwirtschaft sowie von Künstlerinnen und Künstlern aus Erfurt, Workshops, Kooperationen, aber auch Sonderformate der Erfurter Museen. So zeigt der Erinnerungsort Topf & Söhne ab November die multimediale Sonderausstellung „Leben nach Auschwitz und Buchenwald – Kartografie der Vernichtung“. Am Sonntag, den 1. Februar (14-18 Uhr) lädt die Kulturdirektion in den Ausstellungsräumen zu einem Tag der Offenen Tür. An diesem Tag können sich Künstlerinnen und Künstler, Beteiligte und alle Interessierten vor Ort ausgiebig austauschen und sich auch an der Entscheidung über den künftigen Namen der Ausstellungsräume beteiligen.
Die Kunstmuseen wollen auch in diesem Jahr Frauen als Künstlerinnen und in anderen Bereichen der Gesellschaft sichtbarer machen. Dieses Ziel verfolgen sie etwa mit Ausstellungen wie „Nur Mut. Eva Bruczis und ihre Wege in der Grafik“, einer ersten Gesamtschau der Erfurter Künstlerin zu ihrem 80. Geburtstag (Angermuseum), und „Women in the Dark“, einem internationalen und partizipativen Kunstprojekt zu Diskriminierung und Gewalt (Kunsthalle). Die im letzten Jahr neu entwickelten Angebote „Teatime with Barbara“ (in englischer Sprache) und „Kunst und Baby“ (Ausstellungsrundgänge für Eltern mit Babys) werden 2026 fortgesetzt. Darüber hinaus soll es neue interaktive und partizipative Vermittlungsformate geben, etwa in den Ausstellungen „Dem Himmel so nah. Wolken in der Kunst“, einer epochenübergreifenden mixed-media-Ausstellung im Angermuseum, und in der Ausstellung „Why so serious? Kunst und Zirkus“ in der Galerie Waidspeicher.
Das Stadtmuseum „Haus zum Stockfisch“ widmet der Geschichte Erfurts als Sportstadt ab April eine große Sonderausstellung. Anlässlich des 60. Gründungsjubiläums des FC Rot-Weiß Erfurt schlägt die Ausstellung eine Brücke von den ersten Sportvereinen im Erfurter Bürger- und Arbeitermilieu bis zu den Spitzen-Schwimmern, Läufern, Radfahrern und Eisschnellläufern der DDR.
Das Naturkundemuseum zeigt ab Februar in der Sonderausstellung „Die Vogel-WG“ die unglaubliche Geschichte des Naturforscherpaares Oskar und Magdalena Heinroth, die Anfang des 20. Jahrhunderts in ihrer Berliner Mietwohnung die Küken von 250 verschiedenen Vogelarten vom Schlüpfen aus dem Ei an aufzogen und jede Entwicklungsphase akribisch dokumentierten. Ab Juni bekommen in der Sonderausstellung „Insekten. Wunderwerke der Evolution“ die kleinen Sechsbeiner eine Bühne: Insekten machen über 80 Prozent aller Tierarten der Erde aus und weisen eine erstaunliche Vielfalt an Anpassungsfähigkeiten, Fortpflanzungsvarianten und optischen Erscheinungen auf. Ein umfangreiches pädagogisches Programm ergänzt die Ausstellung.
Neben dem Betrieb der städtischen Museen und dem Ausrichten von Events, Märkten und Stadtfesten setzt sich die Kulturdirektion seit Jahren auch engagiert für die freie Szene und Subkultur in Erfurt ein. Mit Angeboten wie dem erfurtkultur-Laden, den Kulturlitfaßsäulen, der Beratung der Kulturlotsin und der Kulturförderung unterstützt sie lokale Künstler und Veranstalter bei Sichtbarkeit und Umsetzung ihrer Projekte. Ein Beispiel für diese Unterstützung ist auch das für 2026 ausgeschriebenen kulturelle Jahresthema „KulturOrtsWechsel“, mit dem die Kulturdirektion neue Kulturorte erschließen will. Hier werden vor allem Projekte gesucht und gefördert, die ungewöhnliche Orte für Kultur nutzen und wiederbeleben wollen.
Darüber hinaus wird 2026 die Schriftstellerin Lena Schätte als Stadtschreiberin in Erfurt zu Gast sein. Ab April plant sie Lesungen, Schreibkurse, Gesprächsrunden und Workshops und bringt so Sprache, Stadt und Menschen in Erfurt in einen kreativen Austausch.