Expertentreffen bekräftigt großes Interesse am Jüdisch-Mittelalterlichen Erbe Erfurt

17.04.2026 13:14

Erfurt ist vom 16. bis 18. April 2026 Austragungsort des Jahrestreffens der Monitoring-Gruppe von ICOMOS Deutschland. Die Veranstaltung, die mit einem hochkarätig besetzten Abendempfang begonnen hat, stellt drei Tage lang das Jüdisch-Mittelalterliche Erbe Erfurts in den Fokus und diskutiert darüber hinaus wichtige Fragen zum Weltkulturerbe in Deutschland.

Internationaler Rat für Denkmalpflege zu Gast in der Landeshauptstadt

Foto: Welterbe-Koordinatorin Dr. Maria Stürzebecher spricht über die Alte Synagoge Foto: © Stadtverwaltung Erfurt

Das Expertentreffen vereint über 60 Mitglieder der Monitoring-Gruppe aus dem gesamten Bundesgebiet und weitere Fachleute aus den Bereichen Denkmalpflege, darunter Vertreter der Denkmalschutzbehörden und Denkmalbeiräte von Stadt und Freistaat, Verantwortliche der Thüringer Welterbestätten sowie Mitglieder denkmalpflegerisch tätiger Vereine in der Stadt Erfurt.

Neben Fachgesprächen zum Jüdisch-Mittelalterlichen Erbe geht es auch um die Besonderheiten der Erfurter Altstadt und aktuelle Fragen und Probleme wie etwa den Silvesterbrand am Domplatz. Die Jüdische Landesgemeinde Thüringen ist ebenfalls vertreten und beleuchtet die Zusammenarbeit mit der Stadt vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Herausforderungen.

„Mit dem Welterbetitel haben wir auch die Verantwortung, jüdisches Erbe zu bewahren und mit pädagogischer Arbeit Antisemitismus und jeder Form von Extremismus entgegenzuwirken“, sagte Lars Bredemeier, Beigeordneter für Stadtentwicklung, Kultur und Welterbe, in seiner Begrüßung. „Aktuell gibt es viele Aufgaben bei der weiteren Entwicklung unseres Welterbes – sowohl personell als auch infrastrukturell. Wir hoffen, dass sich auch Bund und Land dieser Verantwortung für das Welterbe bewusst sind und mit uns gemeinsam die dringend notwendige Entwicklung eines Besucherzentrums unterstützen.“

„Die Arbeit von ICOMOS Deutschland hat große Bedeutung“, betonte Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt in seiner Rede. „Es ist nicht nur das Bewahren einer Geschichte und Tradition, die uns wichtig ist, es ist auch Erinnerung, eine Ermahnung und ein Aufruf für etwas, das uns auch in der Zukunft bewegen sollte. In Zeiten, in denen Geschichtsvergessenheit um sich greift und in denen Kulturflächen zur Projektionsfläche für verirrte politische Ideologien werden, ist es besonders wichtig, mit dieser Expertise ein Zeichen zu setzen dafür, dass wir historisch genau wissen, was es bedeutet, Welterbestätte zu sein, und daran zu erinnern, dass jüdisches Leben in Zeiten eines wachsenden Antisemitismus in der Gesellschaft auch weiterhin Bestandteil unseres Miteinanders ist.“

Dr. Tino Mager, Präsident ICOMOS Deutschland: „Die UNESCO-Welterbestätte Jüdisch-Mittelalterliches Erbe in Erfurt ist ein weltweit einzigartiges Dokument des jüdischen Lebens im Hochmittelalter. ICOMOS Deutschland nimmt positiv zur Kenntnis, wie sehr sich der Freistaat Thüringen und die Stadt Erfurt um eine nachhaltige Bewahrung des außerordentlichen universellen Wertes (Outstanding Universal Value) in allen für das Welterbe relevanten Projekten und Tätigkeiten bemühen. Nur mit einer ausreichenden personellen und finanziellen Ausstattung des Welterbe-Managements kann allerdings dem Erhalt und der Vermittlung der internationalen Bedeutung der Welterbestätte sowie der in Erfurt steigenden Besucherzahlen langfristig entsprochen werden.“

ICOMOS (International Council on Monuments and Sites) ist der Internationale Rat für Denkmalpflege mit Nationalkomitees in über 120 Ländern. Die 1965 gegründete Organisation schützt im Auftrag der UNESCO weltweit Bauwerke, historische Städte und Kulturlandschaften. Die Organisation setzt Standards, überwacht den Zustand des Weltkulturerbes und fördert den fachlichen Austausch. Auch das Jüdisch-Mittelalterliche Erbe in Erfurt wird von zwei Monitoring-Beauftragten von ICOMOS Deutschland beraten: Der nächste Vor-Ort-Termin findet im Juni 2026 statt.

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  • an einem Rednerpult steht an Mann mit Brille und spricht ins Mikrofon

    ICOMOS Jahrestreffen 2026 in Erfurt

    Lars Bredemeier, Beigeordneter für Stadtentwicklung, Kultur und Welterbe

    © Stadtverwaltung Erfurt
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