Erinnerungsort Topf & Söhne stellt Unterrichtsmaterialien zum Thema Antisemitismus online

21.05.2026 18:31

Der Erinnerungsort Topf & Söhne hat unter dem Titel „Antisemitismus als Menschenfeindlichkeit. Miriams Tagebuch, ein Zeugnis nationalsozialistischer Verfolgung und jüdischer Selbstbehauptung" ein multimediales Unterrichtsangebot online gestellt. Partner sind die Landeszentrale für politische Bildung, die Omas gegen Rechts Erfurt, die Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek Jena und der Förderkreis des Erinnerungsortes.

Multimediales Angebot rund um „Miriams Tagebuch"

Foto: Multimediale Materialien ermöglichen die eigene Auseinandersetzung der Jugendlichen mit Miriams Lebensgeschichte. Foto: © Boris Hajduković

„Empathie entsteht dort, wo Geschichte persönlich berührt“, sagt Gedenkstättenpädagogin Rebekka Schubert, die die Unterrichtsmaterialien gemeinsam mit der freien Pädagogin Leonie Dellen konzipiert und mit Klassen getestet hat. „Der Bezug zur eigenen Lebenswelt ist bei diesem Projekt besonders groß.“ Die Jugendlichen arbeiten mit biografischen Dokumenten von Marion (später Miriam) Feiner aus mehreren Zeitschichten: ihrem 1935 in Erfurt als Schülerin begonnenen und 1939 nach ihrer Auswanderung in Palästina beendeten Tagebuch, ihrem Brief an Erfurter Schülerinnen im Jahre 2000 und ihrem Lebensrückblick für die Familie. Enkel Yonathan Saly, der 2025 zur Stolpersteinverlegung für seine Vorfahren aus Israel nach Erfurt kam, berichtet im Videointerview über seine Großmutter.

Leiterin Prof. Dr. Annegret Schüle ist froh, dass der Erinnerungsort seine große Kompetenz als Lernort nun auch bei diesem wichtigen Thema einbringt. Sie hebt hervor: „Diese neue Bildungsressource gäbe es nicht ohne die großartige Zusammenarbeit mit den Nachkommen in Israel.“ Für den Vorsitzenden der Jüdischen Landesgemeinde Prof. Dr. Reinhard Schramm geht mit dem Bildungsangebot ein Wunsch in Erfüllung: „Der Leidensweg von Miriams Eltern Adele und Joseph Feiner vom nationalsozialistischen Erfurt voller Antisemitismus bis zu ihrer Ermordung in der deutsch besetzten Ukraine wird Erfurter Schüler nachdenklich machen.“ Andererseits helfe die Geschichte vom „glücklichen Überleben von Miriam dank zionistischer deutscher Jugendorganisationen in ihrer neuen Heimat Israel“, den Zionismus und den Staat Israel als „jüdische Selbstbehauptung“ besser zu verstehen.

Dr. Miriam Rieger von der Landeszentrale für politische Bildung unterstreicht die große Bedeutung für Thüringen als Flächenland: „Es ist besonders wichtig, dass Lehrkräfte das Material vor Ort nutzen können.“ Auch der Landesbeauftragte für jüdisches Leben und die Bekämpfung des Antisemitismus Michael Panse betont die Notwendigkeit des Bildungsangebotes und lobt seine Qualität: „Das Material ist hochwertig und regt die Schülerinnen und Schüler an, sich die Erkenntnisse selbst zu erarbeiten“.