Archäologische Grabungen auf dem Rathausparkplatz abgeschlossen

28.09.2026 18:58

Zum Monatsende werden die archäologischen Grabungen auf dem Rathausparkplatz plangemäß für dieses Jahr abgeschlossen. Bis dahin sind Interessierte herzlich dazu eingeladen, einen letzten Blick auf die freigelegten Befunde zu werfen, bevor diese „in situ“ im Boden gesichert, der Grabungsschnitt bis Mitte Oktober 2026 wieder verfüllt und der Parkplatz wiederhergestellt wird.

Funde werden wissenschaftlich aufbereitet und gesichert

Foto: Dr. Karin Szech und Dr. Christian Tannhäuser auf dem Dach des Containers, in dem einige Funde nach ihrer Bearbeitung ausgestellt werden. Foto: © Stadtverwaltung Erfurt

Überraschend ist die erhebliche Tiefe, in die das Archäologen-Team innerhalb der letzten beiden Monate vorgestoßen ist: Der Geraschotter liegt bei annähernd drei Metern unter der heutigen Parkplatzoberfläche. Die Auffüllungen darüber entstanden größtenteils im 12. und 13. Jahrhundert. Aber nicht nur Erde wurde damals angefüllt. Auf der knapp 80 Quadratmeter großen Fläche konnten mindestens vier Keller nachgewiesen werden, außerdem eine Vielzahl von Gruben und Pfostenstellungen. Die Ostmauer des Tanzhauskellers, die gleich zu Beginn der Grabungen sichtbar wurde, wurde schlussendlich bis zu ihrer Unterkante freigelegt. Ihre Entstehung gibt noch einige Rätsel auf, die im nächsten Jahr beantwortet werden sollen. Bei den Grabungen konnten zudem große Mengen an Tierknochen und Keramikscherben, aber auch besondere Alltagsobjekte wie beispielsweise eine mittelalterliche Pilgerflasche geborgen werden, die in den kommenden Wochen gewaschen und anschließend weiter analysiert werden.

„Die jüngeren Horizonte des 16. und 17. Jahrhunderts wurden beim Bau des Parkplatzes weitestgehend zerstört, die mittelalterlichen Befunde sind aber weiterhin vorhanden“, erläutert Dr. Christian Tannhäuser, Gebietsreferent für Mittelthüringen beim Thüringischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie. UNESCO-Beauftragte Dr. Karin Sczech ergänzt: „Der Großteil der Funde stammt offensichtlich aus dem 12. und 13. Jahrhundert, also aus der Zeit vor der zweiten jüdischen Gemeinde.“

Eine kleine Auswahl an Fundstücken ist vorübergehend bereits im „Tanzhayzl“ auf dem Rathausparkplatz ausgestellt. Nach der Fundbearbeitung wird die Ausstellung im pinken Container neu eingerichtet. Dann werden hier die konkreten Ergebnisse der Grabung präsentiert. So bleibt das dauerhaft installierte Welterbe-Schaufenster auch nach der Verfüllung der Grabung ein zentraler Informationspunkt für alle Besucherinnen und Besucher und macht neugierig auf die noch folgenden Untersuchungen.

„Sobald die Grabung und ihre Funde wissenschaftlich aufgearbeitet und gesichert sind, werden Informationstafeln auf der Plattform des Containers angebracht und in seinem Inneren die neuen Fundstücke ausgestellt. Dies liefert interessante Einsichten sowie einen Ausblick auf die weiteren Entwicklungen rund um unser Welterbe“, berichtet Dr. Karin Sczech.

In den kommenden Wochen und Monaten werden nach den Erfahrungen der aktuellen Grabungen die Fläche und der zeitliche Ablauf für den nächsten Grabungsabschnitt in 2027 mit dem Thüringer Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie festgelegt und näher geplant. Die Durchführung ist abhängig von Fördermitteln, über die im kommenden Frühjahr entschieden wird.