Mehr als Abgrenzung: Frauensynagogen und weibliche Frömmigkeit im Mittelalter

07.04.2026 18:30 – 07.04.2026 20:30

Vortrag von Dr. Friederike Schöpf, Institut für Jüdische Studien an der Universität Münster, in der Alten Synagoge Erfurt. Eine Veranstaltung im Rahmen der Reihe „Arain! Der Erfurter Synagogenabend“.

Innenraum einer Synagoge mit zwei Torbögen und einer Säule
Frauensynagoge Worms Foto: © Friederike Schöpf
07.04.2026 20:30

Mehr als Abgrenzung: Frauensynagogen und weibliche Frömmigkeit im Mittelalter

Genre Veranstaltung
Veranstalter Stadtverwaltung Erfurt, Unesco-Beauftragte in Kooperation mit den Geschichtsmuseen
Veranstaltungsort Alte Synagoge, Waagegasse 8, 99084 Erfurt
Außenansicht eines Backsteingebäudes mit zwei Fahnen im Vordergrund
Foto: Außenansicht der Wormser Synagoge von Norden her – Eingang Frauensynagoge Foto: © Friederike Schöpf

Zum Vortrag:

Entgegen der weit verbreiteten Annahme entstanden separate Frauenbereiche in Synagogen erst im Mittelalter. In der Antike lässt sich architektonisch keine feste, „in Stein gemeißelte“ Geschlechtertrennung nachweisen. Die ersten Frauensynagogen tauchen im 13. Jahrhundert im Rheinland auf. Bis heute erhaltene Beispiele aus den ShUM-Städten Worms und Speyer und zeugen von der Prosperität der jüdischen Gemeinden in diesen Orten zu jener Zeit. Von dort aus verbreitete sich die Idee eigenständiger Frauenräume auch in den südlichen und östlichen Teilen des deutschsprachigen Raums und erreichte ab dem späten 13. Jahrhundert schließlich Österreich und Teile Osteuropas.

Dennoch war diese Form der Abtrennung im Mittelalter keineswegs selbstverständlich. So ist etwa eine Frauensynagoge in der ersten Synagoge von Erfurt umstritten, und auch andere wohlhabende Zentren wie Regensburg scheinen auf einen getrennten Gebetsbereich verzichtet zu haben.

Wie also kam es zu dieser Entwicklung, die über viele Jahrhunderte hinweg nicht erforderlich schien? Welche äußeren Einflüsse und inneren Dynamiken führten dazu, dass sich diese Praxis allmählich – und erst nach und nach – durchsetzte? Und was verraten uns die erhaltenen Bauten und schriftlichen Quellen über das religiöse Leben jüdischer Frauen? Und was können wir aus dem Fehlen solcher Räume – wie etwa in Erfurt – lernen?

Dieser Vortrag beleuchtet anhand archäologischer Funde und historischer Quellen die Entstehung und Entwicklung der Frauensynagogen. Gleichzeitig soll gezeigt werden, wie uns Architektur und materielle Kultur Einblicke in die Lebenswelt jüdischer Frauen des Mittelalters eröffnen können – eine Lebenswelt die genau wie die Synagogen vielfältig sein konnte.

Einlass ab 18:00 Uhr. Beginn um 18:30 Uhr.
Der Eintritt ist wie immer frei.

Frau mittleren Alters mit Sonnenbrille auf einem Stein sitzend
Foto: Portrait Friederike Schöpf Foto: © Friederike Schöpf

Zur Person:

Dr. Friederike Schöpf studierte Vorderasiatische Archäologie, Assyriologie und Judaistik an der Goethe Universität Frankfurt a. Main. In ihrer Dissertation verband sie die verschiedenen Disziplinen miteinander, und erforschte Kalksteingefäße in Israel und Jordanien im Zusammenhang mit jüdischen Reinheitspraktiken.

Auch in ihrem aktuellen Habilitationsprojekt führt sie diesen interdisziplinären Ansatz fort. Ihre Forschung widmet sich der Entwicklung von Frauensynagogen im Mittelalter, mit einem besonderen Schwerpunkt auf Mittel- und Nordeuropa. Dabei untersucht sie vor allem frühe Beispiele aus dem 13. Jahrhundert, die sich durch ihren anspruchsvollen architektonischen Stil auszeichnen.

Derzeit arbeitet ist sie Postdoktorandin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Jüdische Studien Universität Münster. Vor dieser Tätigkeit arbeitete sie als Archäologin in Jerusalem und war Stipendiatin der Ernst-Ludwig-Ehrlich Stiftung.