Einblicke in den Bücherschatz der Bibliotheca Amploniana

Im Keller der Universitätsbibliothek Erfurt lagert ein echter Schatz: Die berühmte Bibliotheca Amploniana. Seit dem 7. Februar 2024 sind fortlaufend ausgewählte Exemplare der historischen Büchersammlung im Stadtmuseum Erfurt zu sehen. Im Erdgeschoss des Hauses wird im regelmäßigen Wechsel jeweils eine der amplonianischen Handschriften der Öffentlichkeit präsentiert.

Öffnung verschlossener Türen

In enger Kooperation mit der Universitätsbibliothek wird hier kontinuierlich ein Blick hinter sonst verschlossene Türen gewährt. Integriert in die Dauerausstellung zur mittelalterlichen Großstadt werden fortlaufend ausgewählte Codices präsentiert. Die eigens für die wertvollen Werke konstruierte Vitrine wird viermal im Jahr mit einem neuen Buch bestückt, sodass es immer wieder etwas Neues zu entdecken gibt. Nach jeweils sechs Wochen Ausstellungsdauer wird umgeblättert.

Video: Einblicke in die Bibliotheca Amploniana © Stadtverwaltung Erfurt

Exemplare und Termine in 2026

Dieses Jahr werden folgende Handschriften aus der historischen Büchersammlung ausgestellt:

Präsentationszeitraum

Titel und Kurzbeschreibung

Umblättern

16.12.2025 bis 05.03.2026

UB Erfurt, Dep. Erf., CA 2° 296
Handschrift mit Quaestionen-Kommentar des Johannes Buridan, 14. Jahrhundert

am 26.01.2026

11.03.2026 bis 28.05.2026

UB Erfurt, Dep. Erf., CA 2° 54
Handschrift mit kommentierten Bibeltexten des Lukas- und Johannesevangeliums, Frühes 13. Jahrhundert, Pergament 

am 20.04.2026

03.06.2026 bis 20.08.2026

UB Erfurt, Dep. Erf., CA 2° 29
Sammelhandschrift mit Werken von Aristoteles, Avicenna und al-Kindi, 2. Hälfte 13. Jahrhundert, Pergament

am 13.07.2026

26.08.2026 bis 12.11.2026

UB Erfurt, Dep. Erf., CA 2° 283
Handschrift mit Texten zur Chirurgie/Medizin, Anfang 15. Jahrhundert, Papier

am 06.10.2026

18.11.2026 bis 28.01.2027

UB Erfurt, Dep. Erf., CA 2° 392
Handschrift mit Werken des Alhazen, Ende 13. Jahrhundert, Pergament

am 18.12.2026

zurück Bild 1 / 1weiter
  • Zwei Seiten aus einer historischen Handschrift mit farbigen Elementen

    Codex Dep. Erf., CA 2° 54 der Bibliotheca Amploniana, Blatt 1r → 113v

    © Universitätsbibliothek Erfurt
zurück Bild 1 / 1weiter
Foto: Amtskette des Rektors der Medizinischen Akademie, 1954 Foto: © Stadtverwaltung Erfurt

Damit die Vitrine auch während der kurzen Wechselphasen der Handschriften nicht leer bleibt, wird zeitweise die offizielle Amtskette des Rektors der Medizinischen Akademie gezeigt. Ein ebenfalls sehenswertes Exponat, von interessanter Herkunft und Geschichte:

Am 7. September 1954 wurde die Medizinische Akademie Erfurt mit einem Festakt feierlich eröffnet. Ihre Gründung galt als Bewahrung und Wiederbelebung der großen akademischen und wissenschaftlichen Traditionen der alten Erfurter Universität, die am 12. November 1816 durch die Preußische Regierung geschlossen worden war. Sichtbarer Ausdruck der Besinnung auf mittelalterliche Traditionen ist die vom Rat der Stadt Erfurt zur Eröffnung gestiftete Amtskette des Rektors mit den Nachbildungen des Siegels der Medizinischen Fakultät von 1475, dem Siegel des Amplonius Rating de Berka und dem ältesten Rektoratssiegel aus der Gründungszeit der Universität.

Mehr zur historischen Büchersammlung

Foto: Codex Dep. Erf., CA 4° 173 der Bibliotheca Amploniana - Blatt 11v mit Hippokrates Foto: © Stadtverwaltung Erfurt

Die kostbare Handschriftensammlung des Amplonius Rating aus Rheinberg am Niederrhein wird in der Universitätsbibliothek Erfurt sachgerecht aufbewahrt, konservatorisch betreut, erschlossen, digitalisiert und erforscht. Die Manuskripte der größten erhaltenen Bibliothek eines mittelalterlichen Gelehrten vermitteln ein lebendiges Bild des Universitätsbetriebs und der internationalen Wissensnetzwerke des Spätmittelalters.

Foto: Codex Dep. Erf., CA 4° 78 der Bibliotheca Amploniana - Blatt 3 mit floral verziertem M Foto: © Stadtverwaltung Erfurt

1412 gründete Amplonius Rating de Berka das Kolleg „Zur Himmelspforte“ (Collegium Porta Coeli) zur Versorgung und Förderung von Studenten der Universität. Amplonius selbst hatte ab 1392 in Erfurt studiert, wurde hier der erste Doktor der Medizin und zweiter Rektor. 1410 besaß er mit 633 Handschriften eine für seine Zeit einmalig große Sammlung, die in ihrem Kern bis heute geschlossen erhalten ist. Seine Bücher verzeichnete er in einem Katalog, stiftete sie seinem Kolleg und verfügte, dass jeder Stipendiat nach Abschluss seines Studiums der Bibliothek mindestens ein Buch zu überlassen habe. Dadurch wuchs die amplonianische Sammlung über die Jahrhunderte an, zunächst um weitere Handschriften, nach 1450 um Inkunabeln, später um jüngere Drucke. Die Bibliotheca Amploniana ist Eigentum der Stadt Erfurt und befindet sich seit 2002 in den sachkundigen Händen der Universitätsbibliothek.