Carillon-Konzert mit Reinhard Kwaschik – Klangbrücken für das Potsdamer Friedenscarillon 2026
Die Buchhandlung Peterknecht stellt zusätzlich zu den vorhandenen Sitzbänken rund um den Bartholomäusturm weitere Sitzgelegenheiten am Anger auf. Zudem kann das Geschehen in der Spielkabine auf einem Bildschirm im Schaufenster des Buchladens live verfolgt werden, was das Musikerlebnis noch besonderer macht.
Das nächste Konzert findet am 11. Juli 2026 statt.
Über den Carillonneur
Reinhard Kwaschik, geboren 1952 in Torgau, begann seine Laufbahn mit einer Ausbildung im Orgelbau bei A. Voigt in Bad Liebenwerda. Nach Studien der Kirchenmusik in Halle an der Saale und der Theologie in Leipzig war er viele Jahre als Pfarrer, Rektor des Diakoniewerks Halle und später als geschäftsführender Pfarrer in Altenburg tätig.
Seit 2018 beschäftigt er sich intensiv mit der Glockenkunst, insbesondere mit Glockenguss und Glockenmusik. Er nahm an Workshops der Deutschen Glockenspielvereinigung e. V. in Hannover teil und wurde von Frank Müller in Magdeburg zum Carillonneur ausgebildet. Derzeit ist er Student bei Jan Verheyen an der Königlichen Carillonschule „Jef Denyn“ im belgischen Mechelen. Studienaufenthalte führten ihn unter anderem nach Hannover, Halle, Gera, Wiesbaden, Mechelen und Kloster Heiligenkreuz in Österreich.
Als Carillonbeauftragter der Stiftung Garnisonkirche Potsdam war Reinhard Kwaschik für den Aufbau des Otto-Becker-Archivs mitverantwortlich und engagiert sich in der Projektgruppe Friedenscarillon Potsdam am Neubau eines Carillons mit 51 Glocken nach historischen Vorbildern von Jan Albert de Grave. Das Friedenscarillon soll künftig im Turm der Garnisonkirche Potsdam erklingen und die barocke Architektur mit der anerkannten Kunst des Glockengusses und der Glockenmusik verbinden. 2021 erfolgte unter seiner Mitwirkung die Restaurierung des Carillons der „Klingenden Stele“ in Potsdam und er koordinierte dort den Spielbetrieb. Seit 2025 ist er Carillonbeauftragter der Fördergesellschaft für den Wiederaufbau der Garnisonkirche Potsdam e. V. (kurz FWG) und engagiert sich für den Aufbau des Friedenscarillons im Turm der Garnisonkirche Potsdam als hörbares Zeichen für Frieden und Versöhnung.
Historischer Hintergrund
Das historische Carillon in der Garnisonkirche Potsdam, 1725/1730 von Albert de Grave entworfen, soll in den nächsten Jahren wieder aufgebaut werden und als Friedenscarillon mahnen, sorgsam und wertschätzend miteinander umzugehen, dem Motto folgend „Frieden nähret, Krieg verzehret“.
Otto Becker (1870 -1954) war von 1905 bis zur Zerstörung des Carillons und der Garnisonkirche dortiger „Glockenist“, wie er sich selbst nannte. Mit der Zerstörung des historischen Glockenspiels wurde auch das gesamte Notenwerk, das Otto Becker und seine Vorgänger erstellt hatten, inklusive des Gästebuchs, zerstört. Einzig das Notenheft für die Automatik des Schilling’schen Carillons Mercedes San Patricio in Argentinien ist als Vermächtnis erhalten geblieben.
Musikalisches Programm
In Memoriam Carillon Garnisonkirche Potsdam (1725/1730 – 1945)
- Üb immer Treu und Redlichkeit – Tonsatz aus der Garnisonkirche Potsdam,
Hermann Baltin (1857-1909) - Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren – Tonsatz aus der Garnisonkirche Potsdam, Hermann Baltin
- Brautlied (aus: Lohengrin) – Richard Wagner (1813-1883)
(Nr. 38 der Glockenspielnoten von Prof. Otto Becker, Potsdam, für das Glockenspiel Mercedes San Patricio, Argentinien)
Frieden
- Verleih uns Frieden gnädiglich – (EG Nr. 421)
- Jeus bleibet meine Freude – Johann Sebastian Bach (1685-1750)
- Gib Frieden Herr, gib Frieden – (EG Nr. 430)
- Cello-Suite, a-Moll – J. S. Bach
- Kleine weiße Friedenstaube – Kinderlied aus Nordhausen
- Cello Suite Nr. 1 G-Dur – J. S. Bach
- Ukrainische Nationalhymne – Mychajlo Mychajlowytsch Werbyzkyj (1815-1870)
Coda
- Adagio – Tomaso Giovanni Albinoni (1671-1751), Arr.: Koen van Assche
- Sonatina in F-Dur – Ludwig van Beethoven (1770-1827), Arr.: Georg Wagner
- Sonatina Nr. 1 – Ferdinando Carulli (1770-1841), Arr.: Elena Sadina
- Tanz – Trad., Arr.: Elena Sadina
- Habanera – Georges Bizet (1838-1875), Arr.: Elena Sadina
- Blue Smoke – Trad., Arr.: Elena Sadina
- Wild Honeysuckle Rag – Martha Mier (*1936), Arr.: Elena Sadina
Zur Konzertreihe
Die Jahreskonzerte am Erfurter Carillon im Bartholomäusturm finden von März bis Oktober immer am letzten Samstag im Monat statt. Organisiert werden die Darbietungen von Gastmusikerinnen und -musikern aus aller Welt seit über 15 Jahren vom Erfurter Carillonneur Ulrich Seidel. Unterstützt wird er dabei von den Erfurter Geschichtsmuseen und den Förderverein des Stadtmuseums Erfurt. Durch dieses Engagement bleibt der musikalische Genuss für alle Zuhörenden kostenfrei.
Zum Erfurter Carillon
Das Carillon im Erfurter Bartholomäusturm gehört mit seinen 60 Bronzeglocken zu den größeren Instrumenten dieser Art in Deutschland. 1979 wurde es von Glockengießer Peter Schilling entworfen und noch im selben Jahr im VEB Glockengießerei Apolda gegossen. Das Instrument verfügt über eine Handspieleinrichtung, ein sogenanntes Stockenklavier.