Benary-Speicher

Erfurts wirtschaftlicher Erfolg im 19. Jahrhundert liegt unter anderem auch im Erwerbsgartenbau begründet. Namen wie Christian Reichart, Wegbereiter des gartenbaulichen Siegeszuges, Jacob Platz, Blumenschmidt oder Niels Lund Chrestensen, Spezialisten in Samenzucht und Vertrieb sind zu nennen und eine Familie dieser Branche gab dem Haus seinen Namen – Benary-Speicher.

Benary-Speicher – Druckereimuseum und Schaudepot

Ein Weg führt zum Tor eines großen, mit Querstreifen versehenen Hauses. Rechts und links Bäume, die die Wiese vorm Haus verschatten.
Foto: © Stadtverwaltung Erfurt

Bau- und Gründungsgeschichte

Ernst Benary gründete im zweiten Drittel des 19. Jahrhunderts eine Kunst- und Handelsgärtnerei die sich rasch zu einer der größten ihrer Art entwickelte. Sie spezialisierte sich auf Samenzucht und Export. 1865 bewirtschafte die Firma Benary 20 ha. Unweit des attraktiven Verwaltungsbaus der Firma und der Familienvillen steht seit 1879 ein großer Lagerspeicher.

Das Gebäude ist ein 4-geschossiger Mauerwerksbau mit einer Klinkerfassade. Es entspricht mit seiner Neo-Ornamentik dem damaligen Zeitgeschmack. Als wesentliches Merkmal des Speichergebäudes wurde bei der Rekonstruktion die hölzerne Baukonstruktion im Gebäudeinneren wieder offen gelegt. Im vorhandenen Schacht des Lastenaufzuges wurde in der Umbauzeit 1999/2000 ein moderner Personenaufzug eingebaut.

Nicht nur das Gebäude ist denkmalgeschützt, sondern auch ein noch vollständig erhaltener Sackaufzug.

Der Benary-Speicher gehört heute zum Sparkassen Finanzzentrum, welches der Stadt die kulturelle Nutzung seit 2001 ermöglicht.

Druckereimuseum – schwarze Kunst für Jedermann

Eine uralte Druckereimaschine mit schwerem gusseisernen Gestell
Foto: © Stadtverwaltung Erfurt / D. Urban

Seit April 2001 befindet sich im Benary-Speicher, neben einem Schaudepot der Erfurter Museen, ein Druckereimuseum.

Zuvor erinnerte der "Gutenbergkeller" in der Johannesstraße an die über 500jährige Drucktradition Erfurts. Engagierte Mitarbeiter der Erfurter Druckerei "Fortschritt" erstellten eine Sammlung technisch einwandfreier Maschinen und Druckereizubehör von 1860 bis 1930. Als Traditionskabinett des Betriebes am 16. Dezember 1982 eröffnet, erwarb es 1994 das Stadtmuseum. Dieser Bestand bildete den Grundstock des Druckereimuseums.

Hier im Benary-Speicher kann man unter hervorragenden Raumbedingungen funktionstüchtige Druckereimaschinen der letzten zwei Jahrhunderte in Aktion erleben. Es handelt sich dabei z.B. um eine Kniehebelpresse von 1865, eine Boston-Tiegeldruckpresse aus dem Jahr 1880 oder einen Typographen (Setzmaschine) von 1910. Weiterhin sind Scheren, eine Falz- und eine Heftmaschine zu sehen.

In den letzten Jahren konnte durch Schenkungen das Ausstellungsspektrum ergänzt werden. Genannt seien hier vor allem die Übernahme der kompletten Werkstatt des Erfurter Kunstdruckers Ernst August Zimmermann. Ein zweites Beispiel der Bestandserweiterung ist der im Jahr 2003 erfolgte der Aufbau einer Zeilengussmaschine (1930/40), deren Funktion regelmäßig demonstriert wird.

Im Anschluss an eine fachkundige Führung können die Gäste selbst drucken.

Schaudepot

Ein Boot aus Holz, im Hintergrund hohe und flache Vitrinen. Alles auf einem Holzfußboden.
Foto: © Stadtverwaltung Erfurt / D. Urban

Im ersten Obergeschoss des Benary-Speichers ist ein Schaudepot untergebracht, in dem Objekte aus dem Museum für Thüringer Volkskunde Erfurt und dem Angermuseum aufbewahrt und präsentiert werden.

Der Kolonialbeamte Dr. Wilhelm Knappe verkaufte 1889 der Stadt Erfurt seine über 600 Objekte umfassende Südseesammlung. Neben Gebrauchs- und Kultgegenständen, Schmuck und Waffen beeindruckt ein fast sechs Meter langes Auslegerboot – das bekannter Weise einzige dieser Zeit von den Marshall – Inseln und Samoa. Diese kulturhistorisch beeindruckende Sammlung wird 2005 vom Thüringer Museum für Volkskunde in einer Sonderausstellung aufgearbeitet und ausgestellt.

Das Angermuseum nutzt das Schaudepot zum dauerhaften Zeigen der Sammlung Kämmerer. Diese stammt von einer wohlhabenden Erfurter Kaufmannsfamilie und umfasst Möbel, Gemälde sowie wertvolle, in den thüringischen Manufakturen Volksstedt bei Rudolstadt und Ilmenau hergestellte Porzellane. Hans-Helmut Kämmerer übergab die Sammlung 1996 dem Angermuseum.

Während der Öffnungszeiten oder nach Anmeldung ist die Besichtigung des Schaudepots möglich.

Besucherinformationen

Öffnungszeiten

Eine Besichtigung ist nur im Rahmen von Veranstaltungen oder nach Voranmeldung möglich.

Anmeldung Druckereimuseum: Tel 0361 655-5652
Anmeldung Schaudepot: Tel 0361 655-1670

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Brühler Straße 37
99084 Erfurt

Brühler Straße 37, 99084 Erfurt